09./11.06.26: Theater-AG spielt „Error" von C. Kumpfe
Ein voller Musiksaal, atemlose Stille im Publikum und ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: Die Theater-AG der Jahrgangsstufen 8-13 präsentierte an zwei Abenden das Theaterstück „Error" von Claudia Kumpfe. Das Stück wirft ein Schlaglicht auf eine oft tabuisierte Form des psychischen Terrors im Schulsystem: Lehrermobbing. Im Zentrum der Handlung steht eine junge, engagierte Lehrerin, die schleichend, aber konsequent von einer Gruppe Jugendlicher systematisch fertig gemacht und psychisch zerstört wird. Besonders die Szenen, in denen die psychische Isolation der Lehrerin spürbar wurde, sorgten für betroffenes Schweigen im Zuschauerraum. Die Inszenierung macht deutlich, wie aus anfänglichem Fehlverhalten im Klassenzimmer eine unaufhaltsame Eigendynamik entsteht – ein Systemfehler „Error", dem das Opfer schutzlos ausgeliefert ist. Das Ende des Stückes wurde von der Theatergruppe komplett umgestaltet. Statt einer moralischen Auflösung oder einer klaren Bestrafung der Täter entschied sich das Ensemble für ein bewusst offenes Ende. Was letztlich mit der Lehrerin passiert, bleibt im Dunkeln. Das Stück bricht in einem Moment maximaler psychischer Belastung ab. Die Frage, wie und ob sie bestraft wird, gänzlich am System zerbricht oder doch Hilfe erfährt, wird nicht beantwortet – das Publikum muss sich diese Leerstelle selbst füllen, was nach der Schlussszene erstmal für betroffenes Schweigen sorgte.
Das Besondere an der diesjährigen Produktion war die Besetzung [Programmheft]. Auf der Bühne standen nicht nur Schauspieler und Schauspielerinnen der Jahrgangsstufen 8-12, sondern erstmals auch Schülerinnen und Schüler des diesjährigen Abiturjahrgangs. Die Mischung aus jugendlicher Energie und der schauspielerischen Erfahrung der Ehemaligen verschaffte der Theateraufführung ein voller Erfolg. Aufgrund der Tatsache, dass so zahlreiche engagierte Schauspieler bei der Umsetzung mitwirken wollten, mussten wieder etliche neue Rollen sowie Szenen hinzugeschrieben werden. Diese beleuchteten die Dynamik unter den Kollegen, die Reaktionen der Elternschaft sowie die Diskussionen unter den Schülern.
Mit „Error" hat die Theater-AG bewiesen, dass Schultheater weit über das bloße Auswendiglernen von Texten hinausgehen kann. Es war eine couragierte Eigenleistung, die ein wichtiges Zeichen gegen Mobbing setzt.
Fotos: Frau Becker
Fotos: Herr Herbort
Fotos: Herr Mohr




