29.03.25: Abiturfeier
Bericht: Frau Knörzer, Fotos: photofloh.de, Herr Herbort, Herr Scheidel
Der Himmel vor der Festhalle war noch nicht wirklich voller Sterne als der Abiturjahrgang 2025 feierlich einmarschierte, auch wenn der ungewöhnlich frühe Beginn um 18 Uhr einige überraschte und nicht ganz eingehalten werden konnte. Den von Coldplay zum Einmarsch besungenen Himmel voller Sterne und die himmlische Aussicht im Saal zauberten aber die vielen glitzernden Roben und glücklichen, gelösten Gesichter der 49 Abiturient*innen. Himmlische Aussichten können sie sich tatsächlich erhoffen, wenn man bedenkt, dass 17 von ihnen ihre allgemeine Hochschulreife sogar mit der 1 vor dem Komma erreichten.
Während das Abimotto des im Jahre 2016 mit 100 Schülerinnen und Schülern gestarteten Jahrgangs – Abicolada: Hauptsache Rum – eher nach großer Party und wenig Tiefgang anmutete, war es Schulleiter Herrn Mohr in seiner Rede ein deutliches Anliegen, bei allem Grund zum Feiern noch einmal ernste Töne anzuschlagen und sich frei nach George Orwell die Freiheit zu nehmen, anderen zu sagen, was sie vielleicht auch nicht hören wollen.
Er beleuchtete das Thema Freiheit in vielen Facetten, beginnend mit einer Definition des Begriffs und dem Fokus auf die positive Freiheit. Sein Appell an die frisch gebackenen Abiturient*innen also, das Leben selbst aktiv in die Hand zu nehmen und eigene Ziele zu setzen.
Die Bedeutung der Freiheit unterstrich er weiterhin am Beispiel der Freizügigkeit, mit Vorzügen wie dem morgendlichen Baguette aus Frankreich oder dem Auslandsaufenthalt im Studium, in dem Credit Points des Bologna-Prozesses auch unproblematisch angerechnet werden könnten. Auch hier der Aufruf, diesen Aspekt der Freiheit nicht einzuschränken wegen gefühlter Unsicherheit im öffentlichen Raum. Migranten, die in den allermeisten Fällen auf Integration aus seien, sollten nicht als Problem für unsere Freiheit, sondern als Ausdruck unserer freiheitlichen Gesellschaft gesehen werden.
Thomas Mohr beleuchtete die Bedrohung der Freiheit von außen, die manchmal als letztes Mittel eben auch aktiv verteidigt werden müsse, auch hier immer an lebensnahen Beispielen bleibend.
Aber auch von innen werde die Freiheit bedroht und wieder gab es einen klaren Auftrag an die Abiturient*innen, sich einzubringen und dem Verrohen des politischen Diskurses in unseren Parlamenten und unserer Gesellschaft entgegenzuwirken, gerade auch in Bezug auf Themen, die ihre Freiheit in Zukunft bestimmen würden: Ein vernünftiger und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen; eine intakte Umwelt und ein noch bezahlbarer Staat.
Aber Freiheit dürfe auch nicht um jeden Preis ausgeübt werden. Der Schulleiter machte am Beispiel des Rechts auf freie Meinungsäußerung bewusst auf Grenzen der Freiheit aufmerksam. Wenn die AfD Meinungsfreiheit anzweifle, um bewusst Ängste und Hass zu schüren, wenn persönliche Angriffe so weit gingen, dass sie einzelne Personen auf das Extremste herabwürdigen oder gar zu Gewalt aufriefen, sei die Grenze der Meinungsfreiheit erreicht. Und das sei keine neue Erkenntnis, sondern schon postuliert worden in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789 in Art.4:"Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet."
Er bekräftigte seine Erläuterungen zur Freiheit in einer modernen Welt mit einem Zitat von Michel Friedman - deutsch-französischer und jüdischer Publizist, Talkmaster, Jurist und Philosoph: „Freiheit braucht Wissen. [...] Wenn ich nicht weiß, kann ich nicht denken. Wenn ich nicht denken kann, kann ich nicht irgendeine Lösung finden, die besser ist als die andere, sondern ich werde die Probleme nicht lösen. Das ist das Ende von Zukunft. Und das Besondere der Wissensgesellschaft ist, dass sie zugibt, dass sie immer nur auf Zeit weiß. Das ist großartig. Nur der Diktator weiß immer und für die Ewigkeit alles. Demokraten und Demokratinnen kennen den Irrtum als Systemimmanent des Lebens und gehen damit um."
Am Ende der Rede des Schulleiters nannte er seine Wünsche an die Abiturient*innen und nahm auch hier wieder lebensweltlich Bezug auf die jüngste Studienfahrt nach Amsterdam, eine Stadt, die für Weltoffenheit, Lebensfreude und Toleranz stehe. Den Wunsch, alle mögen sich fragen, wem man etwas wegnehme, wenn jeder seine Religion ausüben dürfe, wenn Menschen sich offen der LGBTQ-Bewegung zurechneten, wenn in Innenstädten Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen würde, wenn Kunstwerke nicht dem Mainstream entstammten. Den Wunsch, dass sie in einer Zeit, in der die Gesellschaft am Scheideweg in Bezug auf unser politisches und wirtschaftliches System, auf unsere gemeinsamen Werte, unser Miteinander - letztlich unsere Freiheit stehe, dass sie in dieser Zeit mithelfen darauf zu achten, dass uns dabei die gesellschaftliche und politische Freiheit nicht verloren gehe, da am Ende nämlich auch die persönliche Freiheit verloren gehe.
In die nachdenklichen Töne fügte sich der beeindruckende Klaviervortrag der Abiturientin Johanna Müller ein, die sensibel und dynamisch die Nocturne in cis-Moll von Frederic Chopin vortrug. Sie schloss an an viele Konzerte, in denen sie während ihrer Schullaufbahn am Leibniz beständig und bestens vorbereitet ihr Talent und stetig wachsendes Können zum Ausdruck brachte.
Durch den offiziellen Teil des Abends führten Luis-Pascal Mack und Julia Podgorski. Glanzpunkt ihrer Rede war sicher der Aufruf zu mehr Freiheit im System Schule. Sie forderten, dass Kreativität und Mut mehr Bedeutung beigemessen werden sollte, statt nur messbare Leistungen abzufragen und standardisierte Tests in den Mittelpunkt zu stellen. Talent lasse sich nicht nur in Noten erfassen, aber dies sei während der Schulzeit zu oft der Fall gewesen. Die frischgebackenen Abiturient*innen schickten hiermit einen deutlichen Appell an ihre Lehrer*innen, beispielsweise neue Methoden der Leistungsbewertung auszutesten oder neben der Leistungsbewertung auch andere Dinge in den Fokus zu rücken und machten deutlich, dass auch ihnen das Thema Freiheit am Herzen liegt.
Der Abiturzeugnisverleihung folgte ein Vortrag des Frauenchors der Jahrgangsstufe, der When We Were Young von Adele vortrug. Untermalt wurde dieser Musikbeitrag stimmungsvoll und punktgenau durch eine Bildershow, die alle Mitglieder des Jahrgangs als Kinder und als Abiturient*innen zeigte.
Eine Vielzahl an Preisen als Auszeichnungen für besondere Leistungen sowie außerordentliches Engagement konnte überbracht werden von Vertretern der Politik und der Schulgemeinschaft. Diese umrahmten die jeweilige Überreichung mit liebevollen Wünschen, lustigen Anekdoten, anerkennenden Worten und aufwendig eingebetteten Zitaten. Erwähnt in der Vielzahl der Preise sei hier stellvertretend der renommierte Slodki-Gedächtnispreis für die beste Gesamtleistung, der in diesem Jahr an Lukas Heidenreich ging, der sein Abitur mit der Traumnote 1,0 abschließen konnte.
Mit Dank und vielen persönlichen Geschenken und Anekdoten geehrt wurden anschließend auch die Lehrenden der Jahrgangsstufe.
Das Ende des offiziellen Teils markierte die BigBand der Jahrgangsstufe. 2016 hatten die Musiker*innen als erster Jahrgang mit dem Modell der BigBand-Klasse gestartet und hatten sich am Ende der Schulzeit noch einmal zusammengefunden, um mit Good Time erfolgreich an alte Zeiten zu erinnern und konnten damit den persönlichen Stellenwert des Erfolgsmodells der BigBand-Klasse unterstreichen.
Nach dem Buffet schloss sich der inoffizielle Teil an, der von Mehiar Alheraky und Isabelle Lederhilger moderiert wurde. Auf eine Videosequenz mit Impressionen aus der ausgelassenen Zeit der Oberstufe (Kursfahrten, Abistreich, Themenwoche, etc) folgte ein Gänsehaut erzeugender Klaviervortrag von Nikita Messer. Er präsentierte sein selbst komponiertes Werk für seine geliebte Lina, dessen tänzerischer Mittelteil schwermütig umrahmt war und mit verdientem tosendem Beifall bedacht wurde.
Awardverdächtig war schon das engagierte Männerballett unter ambitionierter weiblicher Leitung, das ausdrucksstark, selbstironisch und mutig zu Höchstformen auflief und seine Darbietung mit einer Gesangszugabe von griechischem Wein krönte. Die eigentlichen schülerinternen Awards der Stufe wurden dann abschließend noch von den Moderatoren überreicht, bevor der kurzweilige Abend zu später Stunde zu Ende ging.
Die gesamte Schulgemeinschaft gratuliert nochmals ganz herzlich zum bestandenen Abitur und wünscht dem Jahrgang alles Gute und viel Freiheit auf dem weiteren Lebensweg!
Abiturientinnen und Abiturienten 2025