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08.06.17: Sperrige Literatur als Bilderlebnis - Ann Cotten

Deutsch Leistungskurs MSS 11 bei der Lesung

Lesung Ann Cotten 6/17Bericht: Vanessa Köhler (MSS11), Zoë Generoso (MSS11)
Foto: Zoë Generoso

Am achten Juni besuchte ein Teil des Deutsch Leistungskurses der Jahrgangsstufe 11 die Lesung der diesjährigen Hugo-Ball-Preisträgerin im Carolinensaal in Pirmasens.

Ann Cotten, Quelle: Wikimedia, Amrei-Marie (CC BY-SA 3.0)Ann Cotten ist ihr Name. Sie wurde 1982 in Iowa (USA) geboren und lebt seit ihrem fünften Lebensjahr in Wien. Sie schloss 2006 ihr Germanistik-Studium ab und ist zunächst als Dichterin von Poetry Slam bekannt geworden.
Der Hugo-Ball-Preis wird alle zwei Jahre in Pirmasens vergeben. Durch ihn werden Persönlichkeiten geehrt, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne des 1886 geborenen Pirmasensers wirken.

Im ersten Teil der Lesung entführte Ann Cotten das Publikum in die Welt der chinesischen Kangxi-Radikale, Elementarzeichen der chinesischen und auch japanischen Schrift. Sie zeigte auf einer Leinwand die Schrift-Symbole, die sie mit eigenen Assoziationen verbunden wiedergab. Ab und an konnten auch wir erkennen, welche Bilder sie in den gegebenen Schriftzeichen erblickte. Dabei war es oft schwer, ihrem raschen Gedankengang zu folgen, da das geistige Auge des Hörers noch am vorherigen Sprachbild haftete, während Cotten schon beim nächsten Sprachzeichen war und weitere Kaskaden von Assoziationen und wirkmächtigen Metaphern ausbreitete. Cotten trug dies vor, als drücke sich ihr eigenes Leben über diese Art des Schreibens aus. Das, was sie vorlas, wirkte ehrlich und menschlich, weil ihre Bildersprache solche Wucht und viel Gefühl transportierte. Neben ihrer mosaikhaften Metaphernsprache ist auch ihr abrupter Wechsel der Sprachebenen auffällig. In den gehobenen Stil einer Lyrikerin webt sie ohne Übergänge umgangssprachliches, sprachwissenschaftliches oder philosophisches Vokabular.

Im zweiten Teil des Abends wurden ohne Bildunterstützung Texte aus ihrem Buch „Jikiketsugaki -Tsurezuregusa" gelesen; Texte, die wie Grusel- und Fantasiegeschichten in japanischer Kulturlandschaft anmuteten. Da der Carolinensaal ein ehemaliges Leichenhaus ist, wirkte dies passend, auch ein wenig spirituell.
Letztlich kann man sagen, dass sie den Hugo-Ball-Preis verdient gewonnen hat und es auch für uns eine aufschlussreiche Erfahrung bot.

Bild von Ann Cotten: Author Amrei-Marie, Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0