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23./24.05.19: Musical-Uraufführung "Begrenzt gesalzen"

Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19Bericht: Herr Lutz, Fotos: Herr Faul, Herr Günther-Spohr, Plakatgestaltung: Julia Wagner (8a)

Mit „Begrenzt gesalzen" wurde am 23. und 24.05.2019 ein weiteres Musical aus der Feder von Frau Vehling auf der Bühne des Leibniz-Gymnasiums uraufgeführt. Als (Zitat!) „unterhaltsames, aber garantiert nicht historisch korrektes Theaterstück mit Musik" beschäftigt sich das Musical mit dem deutschen Zollverein und wurde von Schülern der 6. und 7. Klassen unter Leitung von Frau Graziano und Herrn Ventulett einstudiert.

In einer Zeit, in denen einige Politiker scheinbar die friedensstiftenden und wohlstandsmaximierenden Effekte des Freihandels vergessen haben und das Projekt der Europäischen Einigung leichtfertig in Frage gestellt wird, ist die Aufführung in der Woche vor den Wahlen zum Europäischen Parlament an Aktualität kaum zu überbieten.

Das Stück beginnt in der ländlichen Idylle des Odenwalds, wo der pedantische Grenzbeamte Wilhelm (Jonathan Fuchs) mit Frau Helga (Julia Spirin) und Tochter Eugenie (Vicky Christoph) über die Konsistenz einer Kartoffelsuppe, pardon, eines Eintopfs streitet. Hier wird die Bedeutung von Salz, dem weißen Gold, sowohl im Essen als auch im Handel offenbar. Vor der Gründung des deutschen Zollvereins, der 1834 den Grundstein für die politische Einigung des durch Kleinstaaterei zersplitterten deutschen Staatenbundes legte, galt der Import von Salz als Schmuggel, was zur Konfiszierung aller mitgeführten Salzbestände führte. Diese wurden, zumindest im Musical, von den Grenzern in großen Fässern gelagert.

Zwischen dem stellvertretenden Grenzbeamten Ernst (Alexander Stoyanov) und Eugenie entwickelt sich, angestiftet von ihrer Freundin Hermine (Lina Christoph), eine kleine Romanze, obwohl die Darstellerinnen wortwörtlich ein Lied über die Wichtigtuerei der Männer singen können.

Spannend wird es, als eine Einladung zu einer Tagung des deutschen Zollvereins in Frankfurt ins Haus flattert. Sehr zur Empörung Wilhelms ist nur Ernst eingeladen, da er weiterhin die Grenze sichern soll. Das hält ihn aber nicht davon ab, diese Aufgabe flugs an seine Frau zu delegieren und sich kurzerhand selbst einzuladen. In Frankfurt versammeln sich neben den beiden Hessen der Engländer Archibald Fox (Johannes Vehling) und der waschechte Bayer Ludiwig Streibl (Luis Pascal Mack), die beim Reden, sehr zur Freude des Publikums, immer wieder ins Englische bzw. Boarische verfallen.

Nur gut, dass mit dem organisierten Preußen Freiherr von Godelow (Jan Hildenbrand) und Frau (!) Marie Leidner (Eline Töws) auch einige produktive Charaktere an der Versammlung teilnehmen. Ihren Meister finden sie aber alle in der Oberpedantin Alwine von Weesen (Emely Krents): Sie lässt als dramatischen Höhepunkt der Vorstellung den ohne Einladung erschienenen Wilhelm kurzerhand als Spion verhaften!

Im Odenwald erfreuen sich derweil die Damen der männerfreien Erholung und treffen erste Vorbereitungen für das anstehende Sommerfest, als sie die Nachricht von der Verhaftung erreicht. Zum Glück treffen kurz darauf auch schon die anderen Teilnehmer aus Frankfurt, inklusive des wieder freigelassenen Wilhelm, ein, der seine neuen Bekannten direkt zur Familienfeier eingeladen hat.

Die Salzfässer, die Ernst auf seine Reise nach Frankfurt mitgenommen und mit einem Informationsschreiben am Wegesrand aufgestellt hat, entpuppen sich als finaler Gag, da (laut Komposition) der junge Ernst Litfaß (!) so die Litfaß-Säule erfunden haben soll.

Zum Abschluss freuen sich alle Akteure mit einem Lied über die gelungene Feier, bei der die doch recht verschiedenen Mentalitäten und Nationalitäten keine Rolle mehr spielen, sondern der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt steht. Folgerichtig wurde auch das Publikum dazu eingeladen, mit einzustimmen, was dank der Eingängigkeit von Text und Melodie große Resonanz fand.

Die Vorführung lebt davon, dass den jungen Darstellern nicht nur schöne Kostüme geschneidert, sondern die Rollen spürbar auf den Leib geschrieben worden sind. Die von Beate und Holger Vehling komponierte Musik bringt das kleine Ensemble beherzt und überzeugend auf die Bühne. Die liebevolle Klavierbegleitung von Frau Vehling wurde in diesem Jahr zum ersten Mal mit einer Instrumentaleinlage von Johannes Vehling an der Posaune ergänzt.

Ob es nun launische Seitenhiebe auf den Brexit und bayerische Alleingänge, überraschende Gags, Situationskomik oder entlarvende Lebensweisheiten aus dem Schülermund waren – die etlichen Lacher und der Szenenapplaus waren teilweise so anhaltend, dass die ansonsten textsicheren Jungschauspieler den Faden verloren. Hier half Souffleuse Lara Hildenbrand gekonnt weiter.

Die Zuschauer kamen in den Genuss einer lustigen und lehrreichen Vorstellung, die einfallsreich und souverän umgesetzt wurde!

Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19 Musical "Begrenzt gesalzen" 5/19